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    Nils Dunkel
    Fragments
    12.09–26.10.2019

Künstler

Vivian Greven @ Kadel Willborn, Düsseldorf

O V I

11.05.2019 - 29.06.2019

Vivian Grevens Malerei basiert auf einem versierten Spiel mit unterschiedlichen Auffassungen von Körper, Sein und Repräsentation. Dabei verschmelzen Konzepte Klassischer Antike, Pop-Art und digitaler Bildwelt. Vivian Grevens Malerei ist charakteristisch für unsere Gegenwart, die geprägt von Internet und Social Media ist und dadurch die Hierarchien zwischen Original, Reproduktion und Simulation auflöst. Zentral ist das Motiv eines zwischenmenschlichen Kontakts und die Suche nach authentischer Identität. Der Komplexität der kunst und zeitgeschichtlichen Bezüge entspricht Grevens malerischer Umgang mit Oberflächen. Teile ihrer Malerei erheben sich als reale Reliefs, die auf gesprayte oder gemalte Fiktion von Körper und Raum treffen. Dabei wechselt die Ästhetik von Grevens Bildern zwischen dem Vokabular physischer Malerei und sphärischer Illusion von LCD-Fenstern.

Vivian Grevens aktuelle Ausstellung und Serie 0 V ist von diesem konzeptuellen Spiel zwischen realer Körperlichkeit und transzendenten Sphären charakterisiert. Das zentrale Motiv ist die Venus und deren Geschichtlichkeit innerhalb der Darstellung in der Kunst und Bedeutung in der Gesellschaft. Venus gilt als beides, Göttin irdischer und himmlischer Liebe, bekannt für ihre
Schönheit und Fruchtbarkeit. In der Kunstgeschichte wird Venus als überstilisierte menschliche Figur fast immer mit androgynem Geschlecht dargestellt. In diesem Sinn ist der Ausstellungstitel 0 V ein konzeptuelles Wortspiel mit den Bedeutungen „Null Venus“, aber auch „Null Vivian“ und fragt am Ende: Was ist authentische Identität? Denn diese sich durch die Kunstgeschichte ziehende Optimierung menschlicher Körper findet ihren vorläufigen Endpunkt in unserer aktuellen digitalen Welt von Artificial Intelligence und Körpersynthesen. In unseren
Social Media Kanälen wie Instagram und Facebook wird der Körper sprichwörtlich „entweltlicht“ und zur variablen Oberfläche. Während die Malerei Ode noch auf die Vorgängerserie Amor und Psyche und die Darstellung zwischenmenschlicher Interaktion fokussiert, wird in den Arbeiten 0V I, 0V II, 0V III, Aort I und Aort II das Motiv der Venus ausschließlich in Fragmenten
gezeigt, sozusagen als „Close-up“ bestimmter Körperpartien. Dabei geht es Vivian Greven entgegen der kunstgeschichtlichen Tradition nicht um die Erotik der Venus, sondern um das sensorische „Abtasten“ nach Vertrautem. Innerhalb ihrer Malerei „verwickelt“ der Wechsel zwischen sich ineinander schiebende Oberflächen und illusionistischer „Skulpturalität“ den
Betrachter in die Suche nach authentischer Identität. Unweigerlich entfaltet sich vor dem inneren Auge unser gesamtes Repertoire von kulturellem Wissen um die Darstellung von Körpern und damit verbundener gesellschaftlicher Auffassungen über Ideale. Und gleichzeitig katapultieren Vivian Grevens Gemälde einen in das Hier und Jetzt. Das Motiv des Martiniglases setzt diese Auseinandersetzung auf anderer Ebene fort. Obwohl figurativ, scheinen die Gläser wie abstrakte Pendants zu der Darstellung der Venus. Sie fokussieren wie „Brenngläser“ den Blick auf die Realität „dahinter“. Doch man erkennt nichts körperlich Greifbares und gleichzeitig bildet dieses „Nichts“ die Option auf eine Vielzahl neuer Möglichkeiten der (Selbst-) Definitionen.

https://www.kadel-willborn.de/exhibition_detail.php?id=165